Transalp Challenge 2001: 1. Etappe

Intro
1. Etappe: Strecke Rennen Story
2. Etappe: Strecke Rennen Story
3. Etappe: Strecke Rennen Story
4. Etappe: Strecke Rennen Story
5. Etappe: Strecke Rennen Story
6. Etappe: Strecke Rennen Story
7. Etappe: Strecke Rennen Story
8. Etappe: Strecke Rennen Story

Startliste

Official Website: Veith Marketing

Ergebnislisten

Challenge Story 98

Challenge Story 99

 

Es geht los...

Wie in den letzten beiden Jahren haben wir das Wetterglück auf unserer
Seite. Hatte Petrus bis gestern noch seine Schleusen über Mittenwald
geöffnet, so blinzeln bereits vor dem Start die ersten Sonnenstrahlen
durch vereinzelte blaue Lücken am Firmament.

11 Uhr: es herrscht hektische Betriebsamkeit, die letzten Taschen werden im LKW verstaut (unsere stehen bereits in Reith, dem heutigen Zielort), der Stand von Powerbar ist der am stärksten frequentierte, die ersten Teams versuchen sich vorne in der Startaufstellung zu positionieren und werden umgehend von Mike, dem Transalp-Controller, zurückgepfiffen. Aufgestellt wird sich nach Startnummern, mit den Favoritenteams ganz vorne.
Wir reihen uns (wie im Laufe des Rennenstäglich) als allerletze ein. So ist zumindest gesichert, daß wir mehr überholen werden als umgekehrt.

Eigentlich sehen wir die Transalp Challenge lediglich als eine harte, einmal nicht selbst organisierte Alpenüberquerung an, aber irgendwie steckt das Rennfieber auch uns an. Um uns herum wird über den ein oder anderen Marathon diskutiert, die persönlichen Trainingskilometer, das Streckenprofil und andere Belanglosigkeiten.
Letzte Stretchübungen. Plötzlich kommt merkliche Nervosität auf, auch wir schrauben etwas an unseren Bikes herum - eigentlich sinnlos, aber es lenkt ab. Einige sind richtig in sich gekehrt.

Wie werde ich mich meinem Partner verstehen ? Schließlich sind wir zuvor
erst ein klitzekleines Toürchen am Gardasee miteinander gefahren und haben keinen einzigen Km trainiert. Das einzige, was ich von ihm weiß ist, daß er technisch stark ist und im Downhill eine Kanone. Sein Vater hat mich
gewarnt, daß er loslegen wird wie ein Irrer um später einzubrechen. Na ja,
werden wir ja sehen, dann zügle ich seinen Übermut halt etwas. Er dürfte
noch wesentlich unfitter sein als ich, da er heuer wegen seines Schulabschlusses noch nicht ein einiges Mal auf dem Bike unterwegs gewesen ist. Bei mir sind's wenigstens 200 Km auf Gomera und im Voralpenland gewesen, aber trotz der Vorbereitung auf die anstehende Fußballsaison fühle ich mich alles andere als wirklich gut präpariert für das härteste MTBike-Rennen der Welt.
Bei uns wird letztendlich doch wieder nur der olympische Gedanke zählen. Dabei sein (und durchzukommen) ist alles, von citius, fortius, altius keine Spur !

Der Countdown zum Start läuft - noch 10 Minuten. Gerd Rubenbauer führt noch ein paar Interviews mit den Spitzenfahrern - die Anspannung wächst,
es knistert in der Karawane wie vor einem hetigen Sommergewitter, das unmittebar vor seiner Entladung steht. Parallelen zum Start in der Formel
1 sind nicht von der Hand zu weisen, jeder wartet auf das Go, die grüne
Ampel, den Startschuß, der 373 Teams auf ihren Leidensweg schicken wird.

"Never give up", eine meiner Meinung nach sehr gelungene Kombination aus Reggaerhythmen und Rap, ist der neue TC-Song, ein Motto, das sich für uns bereits früher als befürchtet bewahrheiten wird !
Dann ist es soweit: "Highway to hell" schallt wie bei jeder Etappe aus den
Lautsprechern, fast alle Teams führen das gleiche Ritual durch und klatschen ihre Partner reihenweise ab, denn sie werden schließlich (bis auf wenige Ausnahmen) die nächsten 8 Tage unertrennbar vereint sein.

Kollektives Einklicken und los !!!
Wir rollen als letzte durch den Startbogen, aber die Begeisterung seitens
der den ersten Kilometern säumenden Zuschauern schlägt auch uns entgegen (es werden sicherlich wieder ein paar tausend gewesen sein). Sie macht uns richtiggehend euphorisch, keine Zweifel, ob wir das Ziel in Riva erreichen werden, keine Bedenken bezüglich der langen Teerstrecke im Zillertal oder den Tragepassagen übers Steinberg- oder Pfitscherjoch.
Alles plötzlich wie weggewischt.

Das Anfangstempo ist brutal. Anscheinend wollen alle das Rennen auf der ersten Etappe entscheiden. Wir kommen kaum hinterher, ein solcher Beginn
überrascht uns doch etwas. Umso erfreulicher, daß sich nach Scharnitz beim ersten Uphill keine Spur von Staus oder Chaos bildet. Ist das große Feld etwa cleverer geworden oder sind heuer einfach alle nur fitter als die letzten Jahre ? Im Nachhinein läßt sich feststellen, daß letzteres auf jeden Fall zutreffend war.
Auf den ersten Steigungen zeigt sich bereits, daß Marc und ich zwei völlig verschiedene Fahrstile besitzen. Während er von eine Gruppe zur nächsten springt und ständige Tempowechsel einbaut, suche ich nach meinem gleichmäßigen Rhythmus, den ich stundenlang durchziehen kann.
Anfangs versuche ich ihm noch zu folgen, merke aber allzu schnell, daß ich seine Fahrweise nicht lange durchhalten werde und besinne mich wieder auf meinen eigenen Tritt. Interessanterweise entwischt mir mein Partner niemals außer Sichtweite und letzlich kommen wir sogar gemeinsam am Hochalmsattel an.

Eine ganze Menge Teams liegen schon hinter uns, gezählt haben wir sie nicht, aber 5 müßten es mindestens sein. Eine kurze Verschnaufpause und dann stürzen wir uns in den ersten Downhill. Wie erwartet sind die technisch anspruchsvolleren Teilstücke unser größter Trumpf und wir stechen gleich auf dem ersten, nicht besonders anspruchsvollen Trial das Johannistal bergab.

Doch dann passiert's ! Bei einem Überholmanöver platzt mir der Schlauch und unterbricht unsere Abfahrtseuphorie jäh. Wir verlieren wertvolle Minuten und nehmen das Rennen einige Plätze weiter hinten wieder af. Weil der Originalweg am Ausgang des Johannistales abgerutscht ist und wir eine Schottervariante einschlagen, verkürzt sich die von uns so ungeliebte Asphaltpassage zum Abzweig zum Plumsjoch ein wenig.
Hier zeigen sich unsere wahren Schwächen.
Auf Teer haben wir gegen die zahlreichen Straßenfahrer nicht den Hauch
einer Chance, sie ziehen an uns vorbei wie wir an den wiedenden Kühen des Ahornbodens. So verlieren wir weiter an wertvollem Boden, den wir uns bei der wenig schwierigen Auffahrt zum Plumsjoch leider nur teilweise
zurückerobern werden.

Wir harmonieren schon überraschend gut, ich erzähle Marc etwas über die Streckenfindung, was er mit Geschichten von seinem Vater ergänzt. Etwa 3 Monate im Jahr verbringt Uli damit, Streckenalternativen für die TC zu recherchieren (inklusive Schlechtwetter- und Ausweichvarianten). Da ich ihm dabei beratend zur Seite stehe kenne wir natürlich fast jeden Zentimeter der Strecke und können uns so unsere Kräfte ideal einteilen.
Das Plumsjoch ist schnell erreicht und es beginnt der Rutsch auf losem Geröll zum Achensee hinunter.
In einer Kehre wartet ein Amerikaner auf seinen verschreckten Kollegen, ich grüße flüchtig, bin dadurch einen klitzekleinen moment unaufmerksam
und geh zum ersten Mal auf Tuchfühlung mit dem nicht gerade weichen
Untergrund.

Der Sturz endet für mich harmlos, aber nach Erreichen der Talsohle stellt er sich als kollossal für mein Schaltauge heraus. Komplett verbogen läßt es nur mehr 3 Gänge auf dem mittleren Kettenblatt zu. Ideale Voraussetzungen für das anstehende ebene Stück entlang des Inns. Zu allem Überfluß sprint die Kette auch noch wenn ich Druck gebe, so daß der Weiterweg für uns zur Rolletappe wird.
Ich weiß nicht exakt, wieviel Zeit wir dadurch verlieren, aber es langt gerade noch für den 215. Platz. Ich spüre die Entäuschung meines Partners, der aber kein Wort des Vorwurfs verliert. Immerhin sind wir heil angekommen und ich vertröste ihn mit Sprüchen wie "das Rennen ist noch sehr lang, da kann noch viel passieren" und "unsere starken Etappen kommen erst in der zweiten Hälfte".

Marc's Groll läßt sich ein wenig besänftigen und ist spätestens bei der Pastaparty lämgst verflogen. Noch die Bilder des Tages reinziehen und dann
geht es ins Hotel. Wir sind stolz dabei zu sein und freuen uns auf die weiteren Herausforderungen, ehe wir beginnen von den Trails in den Dolomiten und dem Ziel in Riva zu träumen...