| Transalp Challenge 2001: 4. Etappe |

Intro
1. Etappe: Strecke Rennen
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2. Etappe: Strecke Rennen
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3. Etappe: Strecke Rennen
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4. Etappe: Strecke Rennen
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5. Etappe: Strecke Rennen
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6. Etappe: Strecke Rennen
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7. Etappe: Strecke Rennen
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8. Etappe: Strecke Rennen
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Official Website: Veith Marketing
Fotos by Veith Marketing
brixen-st. vigil: Unheil bahnt sich an...
Einigermaßen ausgeschlafen geht es heute an den Start um die Dolomiten
zu erobern, endlich werden wir in unser Lieblingsrevier eindringen. Doch es
kommt wieder mal ganz anders als geplant !
Marc's Knie ist stark angeschwollen und er verspürt schon Schmerzen wenn
er nur leicht Druck aufs Pedal gibt - das kann ja heiter werden heute.
Am Start geht dann auch noch dem Werbebogen die Luft aus - hoffentlich kein
schlechtes Omen für uns. Abergläubisch sind wir aber nicht und so
rollen wir gemeinsam mit dem Rest der Meute den Eisackdamm hinab, um nach
wenigen Fahrkilometern den Fluß auf einer schmalen Brücke zu überqueren.
Kurz darauf geht's ins Aferertal, immer entlang des Baches bergauf.
Gestern bei der letzten Streckenbesichtigung war hier der Schotterweg noch
vollständig aufgerissen, da einige Bauarbeiter Entwässerungsrohre
verlegen wollten. Lediglich eine kurzfristig angesetzte Intervention mit reichlich
Bitten und Flehen führte dazu, daß die Bauarbeiter den Weg wieder
zuschütteten und ihr schweres Räumfahrzeug von der Strecke schafften.
Heute sollte man dies kaum mehr wahrnehmen und von den Teilnehmern wird letztendlich keiner merken, warum die Veranstalter abends zuvor noch Blut und Wasser geschwitzt hatten. Die Aussicht auf die ersten Blicke in die kahlen Dolomitenwände der Aferer Geisler beflügelt mich und ich vergesse in meiner Euphorie vollständig mich nach meinem Partner umzusehen. Derart motiviert zieh ich auf dem teilweise doch recht engen Schotterweg an einigen Fahrern vorbei, doch dann kommt das böse Erwachen.
Marc ist nicht mehr hinter mir und auch nach einer 5-minütige Pause
taucht er noch nicht auf.. Langsam mache ich mir Sorgen um ihn und rufe mir
seine
Kniebeschwerden ins Gedächtnis. Hoffentlich hat sich die Verletzung nicht
verschlimmert !
Einige Gedanken später kommt mein Partner dann doch den Berg hochgekrochen,
allerdings nicht fahrend sondern per pedes. Schei..., die schlimmsten Befürchtungen
bestätigen sich, sein Knie ist mittlerweile fast doppelt so dick wie
noch heute früh und man sieht in seinem Gesicht, daß er Schmerzen
hat. Er versucht noch die ganze Gelegenheit herunterzuspielen, aber meine
Erfahrung verheißt mir nichts Gutes.
Wir machen eine längere Pause und versuchen das Knie zu entlasten und
zu kühlen. Marc beißt auf die Zähne und springt erneut auf
seinen Sattel - wortlos tritt er bergan, ich schweige hinter ihm und schließe
mich seinem Tempo an. Obwohl er offiziell meint, daß er die Etappe schon
durchstehen wird und morgen die Welt wieder anders aussehen würde, glaub
ich kaum, daß er das schafft.
Er kämpft wirklich, will sich und auch mich nicht enttäuschen, aber
man sieht, wie sein Bein dem Schmerz ausweicht und er völlig unrund tritt.
Ob das wohl gutgehen wird ? Ich hege erste Zweifel, ob es Sinn macht ihn durch
diese Hölle zu schicken und schlag ihm vor ihn zu ziehen.
Wir kommen ein gutes Stück weiter so, aber den ganzen Tag halt ich das
nicht durch, zumal uns die heftigen Aufstiege erst noch bevorstehen.
Was wäre, wenn er nach der Straßenmündung einfach die Würzjochstraße
Richtung Ziel runterrollen und sich den Rest der Etappe schenken würde
? Morgen kann er ja dann wieder einsteigen. Sein Ehrgeiz verbietet ihm aber
das Aufgeben (Never give up !!!). Lieber schiebt er die etwas steileren Stiche,
angeblich hat er dabei kaum Schmerzen. Ich kurble neben ihm, unterhalte mich
mit ihm oder ein paar anderen Teams, bis wir auf der Straßenmündung
stehen.
Erstaunlich, wie schnell er zu Fuß ist, wir verlieren kaum an Boden
gegenüber den anderen Teams. Auf dem Asphalt ziehe ich Marc wieder ein
paar Höhenmeter, danach folgt ohnehin der Downhill nach St. Magdalena.
Aber selbst beim Bergabfahren merkt man ihm an, daß er nicht 100%-ig
fit ist und so bleiben wir (zum ersten Mal) auch beim Downhill zusammen.
Beim Kontrollpunkt nach dem Ranuihof vergesse ich dann intelligenterweise meine frisch aufgefüllten Trinkflaschen und muß noch einmal zurückrollen. Na ja, eigentlich ist es auch egal, denn Marc schiebt die große Teile der Passage zur Zannseralm. Am Parkplatz hole ich ihn wieder ein und seine Zuversicht weicht immer mehr der Resignation.
Jetzt spürt er sein Leiden auch schon beim Gehen. Irgendwie (halb fahrend,
halb schiebend) kommen wir dann doch an der Schlüterhütte an und
machen uns an den Abstieg zu den Peitlerwiesen. Mit Argusaugen verfolgen einige
Leute der Forstbehörden undser Verhalten im Naturpark und zeigen sich
hinterher positiv überrascht über die Disziplin, die fast alle Teilnehmer
auf der naturparkbedingten Schiebestrecke an den Tag legen (nur 6 Unverbesserliche
springen auf ihre Untersätze auf, davon 2 griechische Teams, deren Englisch
offenbar nicht ausgereicht hatte, um diese Nebenbedingung zu verinnerlichen).
An der Petzesalm springen wir wieder auf, es geht weiter bergab auf einer
Forststraße, die recht kupiert durch die wunderschönen Peitlerwiesen
zieht.
Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat, aber wir brechen
den folgenden Downhill ohne Rücksicht auf Verluste hinunter und es kommt,
wie es kommen mußte: Aus einer Gruppe italienischer Wanderer springt
ein kleines Mädchen heraus und wechselt die Fahrbahnseite - keine 30
Meter vor mir. Instinktiv steig ich voll in die Eisen - Vollbremsung, ich
schlingere und dann ist es abermals passiert.
Ich setz mich ab und reiß mir die linke Hüfte auf - eine Schürfwunde,
die mich nun die restlichen Tage begleiten wird aber (zunächst) von mir
als wenig schwerwiegend abgetan wird. Etwas gehemmt steuern wir die restliche
Abfahrt nach Campill hinunter und lassen es erst entlang des Baches wieder
so richtig laufen.
So langsam wird mir bewußt, daß der vorherige Sturz doch nicht
ganz so glimpflich war, wie ich das anfangs gedacht hatte, auch meine rechte
Handinnenseite ist lädiert und ein festes Zugreifen am Lenker nicht gerade
angenehm. So machen wir uns auf, beide mehr oder weniger angeschlagen, die
alte Gadertalstraße in Angriff zu nehmen.
Eigentlich eine geniale Rennstrecke, aber wir schleichen eher in Richtung
Longega...
Den letzten Anstieg auf der Asphaltstraße bis St. Vigil hängt sich
Marc dann nochmals an meinen Rucksack und wir sind letzlich beide froh die
Ziellinie zu überfahren.
Zum ersten Mal interessiert uns unsere Platzierung überhaupt nicht mehr,
Marc sucht sofort ärztliche Behandlung und wir verziehen uns wie zwei
angezählte Boxer schnellstmöglich in unser Hotel.
Wundenpflege ist angesagt und Marc macht keinen besonders zuversichtlichen
Eindruck mehr auf mich. Er vertröstet sich mit etwas Voltaren, ich hege
starke Zweifel, ob die Salbe ihm für die morgige Königsetappe mit
vier harten Anstiegen durch die Dolomiten wirklich was helfen wird.
Da mein Teampartner bereits früh ins Bett geht und ich mich noch mit
einigen Einheimischen und Freunden in einer Enoteca verliere, möchte
ich den weiteren Verlauf des Abends lieber geheimhalten (nur soviel: ich war
um halb drei frühmorgens im Bett...). Wenigstens spür ich dadurch
meine Verletzungen nicht und merke kaum, daß meine Hand das Toben angefangen
hat.