| Transalp Challenge 2001: 5. Etappe |

Intro
1. Etappe: Strecke Rennen
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2. Etappe: Strecke Rennen
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3. Etappe: Strecke Rennen
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4. Etappe: Strecke Rennen
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5. Etappe: Strecke Rennen
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6. Etappe: Strecke Rennen
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7. Etappe: Strecke Rennen
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8. Etappe: Strecke Rennen
Story
Official Website: Veith Marketing
Fotos by Veith Marketing
Das Aus kam nach 5 Km...
Heute fällt das Aufstehen doppelt schwer !!! Regungslos lieg ich im Bett,
kann kein Auge öffnen, mein aufgeschürftes Hüftgelenk meldet
sich sofort und ich frage mich, wie man so dämlich sein kann und sich
vor einer solche harten Etappe derart gehen lassen kann ?
Die ersten Versuche einen Schluck aus den noch halbvollen Trinkflaschen zu
nehmen scheitern an der Funktionsunfähigkeit meiner rechten Hand. Das
wird heute ein echtes Schmankerl, ich hoffe nur, daß der ganze Alkohol
bis zur Pederühütte wieder rausgeschwitzt ist.
Zum Frühstück gibt es neben etwas Brot 2 Schmerztabletten, die
auf den nüchternen Magen bald ihre Wirkung zeigen. Es bleibt lediglich
ein dumpfer Schmerz zurück. Natürlich sind wir viel zu spät
am Start und schaffen es gerade noch zum Startschuß uns in den Fahrertroß
einreihen.
Mit einem Vinschgerl im Mund treten wir los und schon nach wenigen Metern
läuft mir der Schweiß in Ströhmen übers Gesicht. Jetzt
muß ich für meine vorabendlichen Sünden büßen !
Mein Tritt ist schwer und ich hab noch genügend Koordinationsprobleme,
da kommt Marc und muß sich erneut an mich dranhängen. Das hat mir
gerade noch gefehlt ! So kommen wir mehr schlecht als recht ein paar Km voran,
bis mein Partner plötzlich w.o. gibt.
Er ist überzeugt, daß er das heute nicht mehr schafft. Wir machen
erstmal eine halbe Stunde Pause, versuchen das Knie per Tape zu stabilisieren,
aber letztlich scheitern alle Motivationsversuche meinerseits, er muß
w.o. geben !
Wie sich später herausstellen sollte, hat er eine gigantische Prellung
des Quadrizeps, zudem ist der Muskelansatz von der außergewöhnlichen
Belastung entzündet. Schweren Herzens gibt er auf, die Entscheidung macht
allerdings Sinn. Als er langsam zurückrollt steht ihm die Enttäuschung
über das Scheitern ins Gesicht geschrieben. Ich hab so das Gefühl,
daß es ihm mehr leidtut, daß er mich alleine zurücklassen
muß und wir aus der Wertung fallen als daß er an seine eigene
Gesundheit denkt.
Irgendwie glaubt er mir meine Beteuerungen nicht, daß mir die Platzierung
völlig egal ist. In jedem Fall ist es sinnvoller die Sache nicht schlimmer
zu machen als sie ohnehin bereits ist, falscher Ehrgeiz ist im Hochgebirge
sicherlich nicht angebracht.
Wir melden uns reglementkonform beim Rescueteam als Aussteiger ab. Von nun
an trennen sich unsere Wege und ich werde alleine mit dem Berg sein. Ich nehme
mir vor, mir Zeit zu lassen um viel zu fotografieren und filmen - wenigstens
diesen Vorteil hat unser beider Ausscheiden.
An der Pederühütte füll ich nochmals meine bereits leergetrunkenen
Wasservorräte auf, dann brech ich auf, das Fanesgebiet zu erobern - 1
Stunde nach dem Feld. Während der Auffahrt denk ich zurück an meine
allerserste Alpenüberquerung, die faktisch eine Dolomitenrunde war. Hier
> hat vor 10 Jahren alles angefangen.
Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich diese Staubpiste schon hochgekurbelt
bin ? 12x, 13x, genau weiß ich das nicht mehr. Jeder Stein kommt mir
bekannt vor, ich rufe mir die Fanessagen ins Gedächtnis, die Abende auf
der Faneshütte, jede Steigung habe ich schon zigmal gespürt - und
überwunden!
In einer Kehre muß ein anderes Team ungewollt rasten: Kettenriß
- was tun, wenn mir heute so etwas passiert ? Ab der alten Faneshütte
filme ich fast eine halbe Stunde und vergesse beinahe, daß noch 60 harte
Km vor mir stehen.
Den Rotwein und die Schnäpse des Vorabends hab ich mittlerweile gut verdaut und es tritt sich wieder wesentlich geschmeidiger. Ich genieße die großartige Landschaft im "Grand Canyon der Dolomiten" und stürze mich den Trail zur Capanna Alpina hinunter - Suuuuuper ! Wie grausam muß das hier vor einer Stunde ausgesehen haben, als hier die Masse angstschweißgebadet in die Tiefe gestarrt haben muß und alles geschoben hat. Einen Vorteil hat diese Position: Man kann alle Trails fahren, keiner steht mehr im Weg - so macht Biken erst richtig Spaß.
Ich vergeß fast, daß die Schmerzmittel langsam nachlassen und
behelfe mir mit einer Aspirin, die ich stets in meinem Notfallset bei mir
habe. Leider fahr ich mir einen schleichenden Plattfuß und kurz vor
Armentarola ist Schlauchewechseln angesagt.
Da ich auf der Abfahrt die letzten Teams überholen konnte, leg ich mich
gleich etwas in die Sonne - der veränderte Charakter meiner Alpenüberquerung
wird mir immer sympathischer, einzig die aufgeschürfte Hüfte paßt
nicht in mein Märchenbild und entzaubert meine Träumereien in der
Mittagssonne.
Der Uphill zum Valparolapaß ist liegt schnell hinter mir und an der
Kontrollstelle hab ich den Anschluß an die Schlußfahrer wieder
hergestellt. Ausgerechnet jetzt zieht eine drohend dunkle Gewitterwolke auf
und die Straßenabfahrt zum 5 Torri-Abzweig wird mit einem kombinierten
Graupel- und Regenschauer gewürzt.
Der Spuk ist bald vorbei und die heftigen Steigungsprozente zur phänomenal gelegenen Hütte zehren an meinen Kräften. Oben hört man aus allen Kehlen die Oohs und Aahhs und eine ganze Gruppe ergözt sich am Ausblick auf die Zacken und Spitzen der Croda da Lago und dem Weitblick über das Ampezzaner Becken.
Was danach folgt ist ein Kampf mit jedem Meter tiefen Schotters. Ich muß
kurz aus dem Satel um an der Scoiattolihütte vorbeizulenken. Auch auf
dem Teilstück zur Averauhütte kann ich nicht alles fahren und wundere
mich, wie ich die Passage bei der Routenrecherche fahrend bezwingen konnte.
Ist meine Muskulatur wirklich schon so stark ausgelaugt oder sind das noch
Nachwehen meiner gestrigen Exzesse ?
An der Averauhütte angekommen, begrüße ich schnell den Wirt,
der sich noch gut an mich erinnern konnte. Wir plaudern kurz über das
Rennen und er spendiert mir einen Apfelstrudel, bevor wir uns wieder für
den nächsten Winter zum Skifahren verabreden. Wieder hab ich den Singletrail
am Rande des Fedarekars vollständig für mich allein, aber verliere
irgenwo die Justierschraube samt einiger dringend benötigter Unterlagsscheiben
meiner Magura Luise.
Ohne Vorderbremse rutsche ich die letzten Meter zum Rifugio Fedare hinunter,
wo sich der nächste Kontrollpunkt befindet. Das Motorradteam von MV Rescue
hat eine ganze Schraubensammlung im Gepäck, aber die extrem dünnen
Beilagscheiben für meine Bremse kann ich leider nicht finden.
Auch nach 30-minütiger Tüftelei schaffe ich es nicht, die Bremse
vernünftig zu justieren, irgendwann platzt mir der Kragen und ich blockier
sie fast gänzlich. Für die folgende Abfahrt wird es schon halten.
Als es im Val Fiorentina wieder aufwärts geht trau ich meinen Augen nicht.
Die Bremsklötze haben sich völlig in die Scheibe gefressen und lassen
sich nicht mehr lösen. Ich bin richtig sauer auf die Technik, löse
noch die zweite Schraube aber kann nicht verhindern, daß sie weiterhin
schleift. Derart gebremst mach ich mich auf, den Fertazzakamm zu erklimmen.
Die Auffahrt zieht sich und ich merke, wie mich so langsam die Kräfte verlassen. Zum Essen hab ich nichts mehr eingepackt und das Rifugio, das praktisch den höchsten Punkt markiert ist noch längst nicht greifbar. Endlich kündigen die ersten Civetta-Superbike-Wegweiser das Ende des Uphills an. Ein letztes Schiebestück und der Kamm ist erreicht. Die Wiesentrails sind nach dem nachmittaglichen Gewitter in bedauerlichem Zustand, die Abfahrt artet zu einer einzigen Rutschpartie aus.
Dann endlich sind die wunderschönen Hohlwege oberhalb von Alleghe erreicht,
nochmals 800 Höhenmeter Sahnesingletrails ! Im verlassenen Weiler Fernazza
mach ich eine kurze Pause, einerseits um der heißgelaufenen Bremse Abkühlung
zu verschaffen, andererseits um den Traumblick auf den See von Alleghe zu
geniessen.
Leider ist das Licht zu diffus, um wirklich schöne Fotos zu schießen.
Der Sinkflug findet erst direkt an der Seepromenade sein Ende - der Zieleinlauf
nur noch Formsache.
Sensationell ist die Vorarbeit, die Marc schon geleistet hat. Wir haben bereits
Pasta am Tisch stehen, unser Hotel ist unmittelbar neben dem Zielgelände
und er hat frisches Verbandsmaterial für meine Schürfwunden organisiert.
Was für ein Service ! Ich überleg mir, wie toll es sein muß,
bereits am frühen Nachmittag im Ziel einzutrudeln, sich ausgiebig massieren
zu lassen und ohne Hektik am Untersatz rumschrauben zu können.
Das wird in meinem Zustand wohl ein Wunschtraum bleiben.