| Transalp Challenge 2001: 7. Etappe |

Intro
1. Etappe: Strecke Rennen
Story
2. Etappe: Strecke Rennen
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3. Etappe: Strecke Rennen
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4. Etappe: Strecke Rennen
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5. Etappe: Strecke Rennen
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6. Etappe: Strecke Rennen
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7. Etappe: Strecke Rennen
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8. Etappe: Strecke Rennen
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Nur noch 2 Etappen...
Anderntags fühl ich mich zum ersten Mal ziemlich fit, das Hotelzimmer
war o.k., wenn auch nicht ganz billig und frohen Mutes geht es heute an den
Start in Imer (natürlich wieder als letzter...). Mein Gefühl hat
nicht getrügt, schon beim Anstieg zum Passo Gobbera zeigen mir die Signale
meines Körpers, daß ich heute ganz gut drauf bin - zum ersten Mal
während dieses Rennens!!!
Irgendwie tritt es sich heute derart leicht, daß ich förmlich an
den hinteren Regionen vorbeifliege als wir Kurs auf das Rifugio Refavaie nehmen.
Ich habe der Wirtin bei meinem letzten Besuch vergangenes Jahr versprochen,
daß ich wieder vorbeischauen werde, wenn ich in der Nähe bin.
Dementsprechend groß ist das Hallo, als sie mir an der Theke gegenübersteht
und mich nach einem ersten skeptisch musternden Blick wiedererkennt. Vor 5
Jahren haben wir das erste Mal hier übernachtet und waren von Beginn
an von ihrer offenherzigen und hilfreichen Art angetan (sie hat uns damals
unsere völlig verdreckten Klamotten gewaschen und nicht einmal was dafür
verlangt !).
Außerdem hat die Küche ebenfalls einiges zu bieten. Sie nötigt
mich natürlich auf den sich im Rohr befindenden Apfelstrudel zu warten,
was mir auf Grund des überwältigenden Duftes aus der Cucina auch
nicht schwerfällt - echte Überredungskünste muß sie nicht
anwenden !
Natürlich muß ich die Fragen über den bisherigen Verlauf des Rennens minutiös beantworten und so dauert das Frage-Antwort-Spiel beinahe eine halbe Stunde. Ich vergesse beinahe, daß ich ja noch 80 Km vor mir habe und erzähle detailgetreu von unseren Stürzen und dem Verlust meines Partners. Schließlich kann ich mich doch loseisen. Aus dem angedachten kurzen Abstecher wurde also eine längere Rast - na ja, der frisch gebackene Apfelstrudel war wieder äußerst lecker und ich bekomme auch noch meine Wassertanks aufgeladen - natürlich umsonst versteht sich...
Mit soviel Doping mach ich mich auf den Passo 5 Croci zu erobern. 6-7% Steigung
auf angenehmem Untergrund - da kann man's richtig krachen lassen. Ich finde
einen ebenso verwaisten Mitstreiter (sein Partner ist weit voraus gefahren),
der auch noch denselben Rhythmus tritt wie ich. Ein geniales Duo auf dem Weg
zum höchsten Punkt des Tages. Leider kann ich mit meiner Hand nicht in
den Wiegetritt gehen, diese Belastung hält sie längere Zeit nicht
aus. Dennoch dürfte ich mich an die ersten hundertfünzig Teams rangekämpft
haben.
Meinen Weggefährten vom Aufstieg verliere ich, als er sich für den
Downhill ins Val Sugana eine Windjacke überzieht und ich einfach durchfahre,
da ich lediglich den Reißverschluß meines Windstoppers schließen
muß.
Abwärts werde ich dann wieder von einigen Teams überholt, mit
meiner lädierten Hand und dem Hardtrail bin ich mir auf der Hochgeschwindigkeitspiste
einfach ein wenig zu unsicher, als das ich's einfach nur laufen lassen könnte.
Als der Asphalt beim Rifugio Carlettini erreicht ist fühle ich mich schon
bedeutend wohler, der glattere Untergrund erlaubt es mir zumindest nicht weiter
Boden zu verlieren.
Als wir im Talboden ankommen trau ich meinen Augen kaum. Am Verpflegungspunkt
tummeln sich etwa 40-50 Leute, eine einmalige Gelegenheit in einem Aufwasch
gleich einen ganzen Schwung hinter mir zulassen.
Demzufolge schnapp ich mir nur kurz 2 Äpfel und eine Banane und kurbel
essenderweise weiter. Leider kommt fast 10 Minuten kein nachfolgendes Team
und diejenigen, die ich einhole beschweren sich, daß ich beim Windschattenfahren
zu schnell bin, obwohl ich 95% der Strecke im Wind fahre und sich die Kleingruppe
nur hinten dranhängt. Jedenfalls erreichen wir den Beginn des Kaiserjägerweges
im 35er-Schnitt.
Die Sonne brennt heuer wirklich gnadenlos vom Himmel, nichts zu sehen von
irgendwelchen Gewitterfluten wie im Vorjahr.
Da sich meine Vorräte dem Ende zu neigen, entschließe ich mich
kurz im Albergo Vescova, der letzten Einkehrstation vor dem Passo Vezzena
einzukehren. Ein paar Begleiter der hinteren Ränge haben sich gegenüber
dem Gasthaus positioniert und machen einen riesigen Radau. I
ch werfe noch einem kurz zu, daß ich in 25 Minuten oben sein werde
(so lange hatte ich letztes Jahr gebraucht). Er schaut mich ungläubig
an und meint, daß ich wohl 1 Stunde 25 Minuten brauchen würde,
worauf ich nur entgegne: Schaun mer mal...Wieder soll mir mein Handycap an
der rechten Hand zum Verhängnis werden, ich kann kaum in den Wiegetritt
und schaffe den Abschnitt in 28 Minuten und hab erneut einige Positionen gutgemacht,
als ich kurz vor dem Vezzenapaß an der Kontrollstelle einchecke.
Hier begehe ich einen später folgenschweren Fehler. Anstatt mir jetzt
etwas Zeit zu lassen und nochmals die Kalorienspeicher vollzupumpen lenke
ich praktisch ohne Unterbrechung auf den Schotterweg in Richtung Passo del
Sommo.
12 Km und 650 Hm stehen noch, die ich, wie ich irrtümlicherweise denke,
auf der linken Pobacke runterreiße. Nach wenigen Minuten habe ich ein
amerikanisches Team in 2 Armstrong-Trikots in Sichtweite und setze alles daran,
sie auf den Trails zu verseilen.
Der Anschluß ist schnell hergestellt und nicht zuletzt wegen meiner
Streckenkenntnis gelingt es mir auch sie (vermeintlich) endgültig abzuhängen
(die Armstrongs müssen an einer Stelle orientierungsbedingt stark bremsen,
während ich in den Spitzkehrenabzweig entsprechend im richtigen Gang
einfahren kann und wichtige Meter gewinnen kann).
Ich hör die beiden nur noch fluchend aus dem Unterholz....Die Trails
sind absolut das Terrain, auf dem ich mich wohlfühle und da beinahe komplett
trocken super fahrbar. Kein Vergleich zur Schlammschlacht des Vorjahres, als
mich hier die völlig verdreckte Technik im Stich ließ.
So schließe ich auf mehrere Teams auf, schaffe es sie hinter mir zu
lassen und biege auf den letzten Anstieg zum Sommopaß ein. Es geht nochmals
etwa 3 Km bergan, 350 Hm am Ende der ehemals längsten Etappe der TC,
die nicht zu unterschätzen sind.
Hier sollte sich meine Uncleverness vom letzten Versorgungspunkt rächen.
Mich überholen 2 Mädels, die ich längst weit hinter mir gewähnt
hatte, da ich sie bereits auf dem Kaiserjägerweg überholt hatte.
Was ist los mit mir ? Ist der Untergrund zu schwer ? Ich fahr beinahe auf
alle herausstehenden Steine auf, bin unkonzentriert, baue kräftemäßig
rapide ab.
Plötzlich, von einem Moment auf den anderen läßt meine Kraft
auf einen Schlag nach und kann selbst die niedrigsten Gänge kaum mehr
treten.
Ich versuche zur Erholung noch ein paar Meter zu schieben, aber dann fangen
die Muskeln das Zittern an - Unterzucker ! So eine Schei...5 Km vor dem Ziel
ein totaler Burn-Out ! Ich Idiot habe in meiner Euphorie das Essen vergessen.
Mir fehlt selbst die Kraft das Rad zu schieben und völlig erschöpft
laß ich mich in die Wiese fallen. Die ersten Teams treten an mir vorbei
und fragen mich, ob alles in Ordnung sei. Ich nicke nur, bring keinen Ton
über die Lippen.
Zum Glück erinnere ich mich an die Tafel Schokolade, die ich noch im
Rucksack haben müßte und ich finde auch noch eine längst vergessene
Apfelhälfte in der Seitentasche. Ich glaube, daß ich noch nie so
zügig eine ganze Tafel vernichtet habe (es mögen 3-4 Bissen gewesen
sein). Die letzten Getränkereserven nachgeschüttet und ich lieg
da im Gras.
5 Minuten, 10 Minuten - die Augen geschlossen, langsam atmend spüre ich,
wie sich die Leere in meiner Magengegend verliert und nach und nach meine
Lebensgeister wiedererwachen. Ich setze mich auf, immer noch leicht zittrig,
aber von Augenblick zu Augenblick und nach neuerlichen 10 Minuten fühle
ich mich wieder fit genug, um weiter zu pedalieren.
Noch etwas unsicher starte ich. Im niedrigsten Gang die kaum merkliche Steigung
angehen, vielleicht geht das schon. Doch ich merke sehr schnell, daß
ich fast wieder der Alte bin, die Schwächephase von vorhin ist praktisch
wie weggeblasen.
Unglaublich, wie schnell das geht - in beide Richtungen! Aus der Ferne hör
ich noch jemanden Schreien "Uli du Arschloch". Aller Voraussicht
nach ist er kurz vor dem Ende des letzten Anstiegs zum Sommopaß.
Da kommt noch einmal ein kurzes aber echt knackiges Stück Militärstraße
bergauf, obwohl parallel dazu die Teerstraße mäßig hochzieht.
Eine Schweinerei zum Schluß, die nochmal so richtig in den Waden weh
tut.
Ich glaub es kaum, als ich dort ankomme und durchgefahren bin. Jetzt geht's
bergab und auch die letzten 200m zum Ziel hinauf stellen kein allzu großes
Problem mehr dar.
113. Platz trotz der beiden langen Pausen - mein Gefühl von heute Morgen
hat mich nicht getäuscht und ich kann zum allerersten Mal heuer die Vorzüge
einer zeitigen Zielankunft auskosten. Eigentlich fühl ich mich wesentlicher
frischer als in den letzten Tagen, ich denke auf der morgigen Abschlußetappe
werde ich nochmals angreifen.
Meine Freundin ist heute angekommen, hat mich aber um diese Uhrzeit noch
nicht erwartet und so muß wird das Shuttle erst per Handy angefordert.
Während meiner Wartezeit wird mir erst richtig bewußt, daß
meine Hand wieder vor sich hintobt und nach der Duschzeremonie drängt
mich meine Freundin dazu, mit meiner Hand zum Röntgen zu gehen.
In Rovereto kommt dann die nichtgeglaubte Bestätigung: Das Kahnbein ist
angeknackst, ein kleiner Riß im Knochen, kaum zu sehen aber der Grund
für
meine Schmerzen.
Jetzt hab ich die Bescherung. Einen Tag vor Ende der TC aufgeben ? Der behandelnde
Arzt rät mir selbstredend davon ab, mich nochmals auf das Bike zu setzen
und will mir sogleich einen Gips anlegen.
Das schreckt mich derart ab, daß ich sämtliche seiner Ratschläge
sofort verwerfe. In keinem Fall werde ich mich derart fesseln lassen. Meine
Freundin ist aufgrund meiner Reaktion völlig empört und versteht
nicht, warum ich so unverantwortungslos mit meiner Gesundheit umgehe und wie
mir überhaupt der Gedanke kommt mit einer angebrochenen Hand weiterzufahren.
Sie hat halt die letzten Tage nicht mitgemacht. Ich fahr doch nicht 630 Km
durch die Alpen um dann einen Katzensprung vor dem Ziel die Segel zu streichen.
Ich denke mir ein Tape tut's auch und ich kann als Kompromis heraushandeln,
daß ich morgen Früh entscheiden werde, ob ich weiterfahre oder
nicht.
2 Aspirin reichen für die abendliche Betäubung, der Schmerz ist
nur dumpf entfernt zu spüren und ich zwinge mich trotz erheblicher Skepsis
bezüglich der anstehenden Etappe zu guter Laune. Ausgerechnet vor dieser
Technikeretappe bekomme ich diese niederschmetternde Diagnose. Bislang konnte
ich mir wenigstens einreden, daß es nur eine Prellung und Lymphe ist,
die mich beeinträchtigt haben, aber diese Illusion ist jetzt verflogen.
Wäre ich bloß nicht zu dem Arzt gegangen und hätte das auf
nächste Woche verschoben. Die Hand hält (vielleicht wegen der fürsorglichen
Pflege meiner Freundin) erstaunlicherweise ebenfalls Nachtruhe und ich werde
mich morgen selbstverständlich für die Weiterfahrt entscheiden.