| Transalp Challenge 2001: 8. Etappe |

Intro
1. Etappe: Strecke Rennen
Story
2. Etappe: Strecke Rennen
Story
3. Etappe: Strecke Rennen
Story
4. Etappe: Strecke Rennen
Story
5. Etappe: Strecke Rennen
Story
6. Etappe: Strecke Rennen
Story
7. Etappe: Strecke Rennen
Story
8. Etappe: Strecke Rennen
Story
Official Website: Veith Marketing
Never give up !
In der Früh hatte ich nochmals nachgetapt, so daß mein Handgelenk
jetzt gänzlich stabilisiert ist. Ein wenig mulmig ist mir schon zu Mute,
wenn ich daran denke, daß ich die Pianauratrails mit einem derartigen
Malus bewältigen will, aber was soll's: ich will heute Nachmittag in
Riva ankommen!
Da ich mich heute kaum um die allmorgendlichen logistische Aufgaben kümmern
muß (das erledigen Marc und Barbara), kann ich mich aufgrund der Zeitersparnis
erstmals auch bei der Startaufstellung wesentlich weiter vorne einreihen.
Ich finde mich auf einer guten Ausgangsposition wieder, um gleich zu Beginn
in die vorderen Ränge vorzustoßen, was absolut die Voraussetzung
darstellt, um heute fahrend und nicht schiebend den Großteil der Strecke
zu bewältigen.
Das Rennen beginnt mit einem horrenden Tempo, ich fahr absolut am Limit.
Wehe, wenn ich es nicht schaffe vorne reinzufahren und ich die Singletrails
hinter irgendjemandem herschieben muß. Ich glaube, ich würde Amok
laufen. Das beflügelt mich und gibt mir Motivation genug, weiter an meiner
Grenze zu treten.
Ich weiß nicht, wievele Teams ich gleich beim ersten Straßen(!)-anstieg
hinter mir lasse, aber als es in den Traildownhill geht, sehe ich nur unbekannte
Gesichter um mich herum. Ein gutes Zeichen !
Tatsächlich stellen sich die Fahrer hier vorne weit weniger dämlich
an, als das Hauptfeld, aber dennoch kann ich noch nicht nach meinem Gusto
mit dem nicht allzu anspruchsvollen Pfad spielen. Meine Hand vergesse ich
gänzlich, obwohl ihr die Schläge keinesfalls guttun dürften
und denke an Marc, der hier wahrscheinlich alle anderen hinter sich ließe.
Wenigstens gehen die weniger versierteren Abfahrer ohne Murren aus dem Weg,
wenn man sie dazu auffordert - auch ein nicht zu verachtender Unterschied
zu den hinteren Reihen !
Leider ist dieser Abschnitt rasch vorbei und wir steuern auf die Schotterpiste
zum Monte Finocchio hinauf. Ich schließe mich einer kleinen Gruppe an,
die den Berg beachtenswert schnell hinaufklettert, kann aber deren Tempo nur
ein paar Minuten halten.
Dennoch haben wir allein in dieser Zeit mindestens 8-10 Paarungen überholt
und kurz darauf sehe ich den Sendemasten, der den Aussichtsgipfel über
dem Etschtal ziert. Jetzt geht es links bergab, einige Fahrer warten artig
auf ihre Partner. Der Trail ist genial ! Es sind praktisch keine Bremser im
Weg und am letzten Tag der TC habe ich erstmals die Möglichkeit von meinen
technischen Fähigkeiten so richtig zu profitieren.
Ich breche den Pfad beinahe wie eine "normale" Schotterpiste hinunter
und rausche sogar an der etwas verschreckten Jüngst, der führenden
der Damenwertung vorbei.
Ihre Partnerin Katrin Schwing ist allerdings nirgends auszumachen. Die beiden
sollten am Ende alle 8 Etappen, jeweils mit deutlichem Vorsprung gewonnen
haben. Eigentlich hatten sie gar keinen Startplatz, da Katrin zu ihrem neuen
Sponsor Bergwerk wechselte, die aber nicht für die TC gemeldet hatten.
Erst ein Zufall (das legendäre Team 173 um Hajo Sauer verweigerte heuer)
während des BIKE-Festivals am Gardasee hat den beiden ihren Startplatz
und damit den späteren Sieg bescheert.
Als ich am erste Kontrollpunkt einrolle wartet sie ungeduldig zusammen mit
mindestens 15 anderen "Einsamen" auf ihre Partnerin. Ich checke
als 37-igster ein und kann mir diese Platzierung eigentlich selbst nicht erklären,
auch wenn ich so richtig Gas gegeben habe (die Aufklärung sollte noch
kommen: Da einige Teams durch einen Polizeifehler falsch geleitet wurden,
mußten sie einen kleinen Umweg in Kauf nehmen).
Auch auf den Trails oberhalb von Rovereto gelingt es mir noch 3 weitere Paarungen
zu überholen und erst am Anstieg nach Pattone muß ich weitestgehend
tatenlos zusehen, wie das Duo Jüngst/Schwing wieder an mir vorbeihetzt.
So langsam spüre ich die Auswirkungen der Schüttelei und die Wirkung
der Schmerztabletten läßt so langsam nach. Ich werfe in Pattone
noch kurz eine Aspirin nach und versuche noch nicht allzu schnell in die steilen
Rampen einzufahren, die zum Monte Somator hinaufführen.
Ich will mir die Kräfte noch etwas einteilen, zumal ich sicherlich den
ein oder anderen, die mich hier überholen noch schieben sehen und mir
die verlorene Zeit fahrend zurückholen werde.
Mein Handgelenk wird langsam unerträglich, die Aspirin hat so gut wie
nichts geholfen und ich kann schon kaum mehr meinen Lenker umklammern.
Als die Betonpiste in Schotter übergeht nimmt die Steigung ab und ich
fahre einhändig steuernd weiter bergan. Natürlich verliere ich damit
einiges an Kraft und mindestens ebensoviele Plätze, aber ich will unbedingt
durchkommen - auch wenn ich zu Fuß ins Ziel laufe !
Vor dem letten Steilstück mach ich eine Pause und ruf meine Serviceleute
Marc und Barbara an. Unglaublich: Es ist erst 11.35 Uhr und ich bin schon
kurz unterhalb der Malga Somator. Hier hatte ich mich nicht vor 13.30 Uhr
erwartet.
Die beiden sind noch nicht einmal in Riva angekommen und ich kündige
meine Ankunft bereits binnen der nächsten Stunde an (das sollte sich
allerdings als Trugschluß herausstellen !). Einhändig bergauf ist
machbar, aber bergab ist das gelinde gesagt eine Katastrophe. Ich muß
im Schrittempo runterrollen, da ich die Hinterradbremse praktisch nicht mehr
betätigen kann.
Als ein Team nach dem anderen an mir vorbeizischt kommt zu den Schmerzen
auch mehr und mehr Frustration hinzu. Wie soll ich die Pianauratrails so hinunterkommen
? An der Verpflegungsstelle bin ich schon bis auf den 134-igsten Platz zurückgefallen,
ich muß also vom Gedanken Abstand nehmen noch eine passable Platzierung
herauszufahren/-gehen.
Ein MV-Rescuehelfer gibt mir nochmals eine Dosis Schmerzmittel, aber auch
deren Wirkung verpufft. Sämtliche Versuche das überstrapazierte
Handgelenk ruhigzustellen sind vergeblich und zwecklos. Irgendwann ist es
so weit, der Abzweig in die Pianauratrails liegt unmittelbar vor mir.
An fahren ist nicht zu denken ! Es tut mir in der Seele weh, als ich den platten- und stufengespickten Weg hinunterstolpere, während nunmehr auch die hinteren Teams, teils schiebend an mir vorbeifahren. Wie hatte ich mich auf diese Herausforderung gefreut ! Ich wollte hier mindestens 20-30 Minuten Vorsprung rausfahren, jetzt werde ich dieses Paket aufgebrummt bekommen.
Alles Wehklagen hilft nicht, ich muß da hinunter - komme was wolle
! Never give up, das ist klar ! Irgendwann hab ich auch das geschafft. Natürlich
gibt es beim Kontrollposten am Ausgang des Trails einen blöden Kommentar
(der sonst stets von mir kam), aber in meiner Situation darauf zu reagieren
ist mir ehrlich gesagt zu dumm.
Ein letzter knackiger 50 Hm-Anstieg, um das Zentrum von Massone zu umgehen
und ich rolle tatsächlich am Kreisverkehr vor Arco ein, wo Marc und Barbara
nunmehr bereits seit gut einer Stunde mein Eintreffen erwartet haben. Mein
Gesichtsausdruck macht allerdings schnell klar, daß jegliches Nachfragen
nur eine forsche Antwort meinerseits nach sich ziehen würde.
Wie abgemacht schlüfen wir in unsere Lederhosen und packen das Erdinger ein, mit dem wir wenig später uns zuprostend die Ziellinie in Riva überfahren werden. Geschafft - angekommen, auch wenn ich doch stark lädiert finishe....