Red Bull Downtown in Lissabon. 1. Mai 2002
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Beim Abendessen mit den Fahrern kann ich die Anspannung vor dem Rennen fühlen. Die Stimmung ist gut, ihre Gesichter wirken aber sehr konzentriert und entschlossen. Spätestens um 22 Uhr ziehen sich alle ins Zimmer zurück. Die meisten nehmen ihre Bikes mit, das Hotel hat keine Werkstatt und die Mechaniker müssen im Zimmer die Räder zusammenbauen und tunen.

Claudio Caluori in action

Am 1. Mai ist es so weit. Die Altstadt Lissabons wird zur Bühne. Die Strecke wurde während der Nacht mit Strohballen "präpariert", um eventuelle Stürze aufzufangen. Es war kaum nötig den Verkehr umzuleiten, da ohnehin fast keine fahrbaren Strassen vorhanden sind. Nur die bunte Straßenbahn muss gestoppt werden, wenn das Rennen ihre Linie kreuzt. Sicherheitsleute passen auf, dass kein Fußgänger auf der Strecke steht, wenn ein Biker angeheizt kommt. Man hört, wenn ein Fahrer sich nähert aus dem Pfeifen der Streckenpfosten. Und aus dem Knarren der Federelemente auf den gnadenlosen Treppen.

Claudio Caluori beim Training

Am morgen dürfen die Biker viermal die Strecke testen. Nach einem vorsichtigen Austasten der schwierigsten Stellen probieren die Fahrer, richtig Gas zu geben. Krasse Stürze bleiben aber (noch) aus. Neben den internationalen Profi-Downhillern wurden auch mehrere Portugiesen eingeladen. Keine von denen ist in der Weltrangliste der besten 20, aber der Heimvorteil und die Anfeuerung des Publikums werden Wunder wirken.

Vierzehn Uhr. Das Rennen darf beginnen. Die Strecke ist kaum mehr zu sehen, Hunderte von Leuten haben die Altstadt regelrecht gestürmt. Die Sicherheitsleute haben wirklich Mühe, die Zuschauer von den als gefährlich markierten Stellen fernzuhalten. Jeder will näher, jeder will die angespannten Gesichter der Fahrer unter dem Helm sehen. "Es ist wie auf der Tour de France" wird Claudio mir später erzählen, "Die Leute stehen teilweise so nah zum Parcours, dass du die Kurven erst im letzten Moment siehst."

Als die portugiesischen Fahrer runterfahren, explodiert die Menschenmasse. Bei den Escadinhas de S. Miguel führt die Strecke kurvig zwischen zwei Bäumen hindurch und über einen Absatz, bevor die Fahrer sich über eine lange und ausnahmsweise breite Treppe stürzen. Hier wird die spektakuläre Fahrweise mancher Biker mit lauten "Ooohhh" und "Aaahhhh" des Publikums begleitet. Besonders laut werden die Zuschauer aber als der Local-Held Josè Sousa vorbei rast und als ein Fahrer auf dem glatten Kopfsteinpflaster rutscht und in den Fotografenplatz, wo ich mich befinde, reinsaust. Die obengenannten Strohballen verhindern jede Verletzung, sowohl bei der Presse als auch beim Athlet.

The crowd!

Die Organisation ist nahezu perfekt. Alles klappt wie am Schnürchen. Die Portugiesen sind zu Recht sehr stolz auf dieses Event, das seinesgleichen sucht. Keiner der Einwohner beschwert sich wegen der Behinderung durch das Rennen, alle kooperieren und lassen sogar die Fotografen in ihre Häuser rein, damit sie vom Fenster aus schöne Shots schießen können. Es ist wirklich ein Bike-Fest.
Zwischen den zwei Runs geht die Show am Zielgelände weiter. Die Zuschauer strömen geduldig durch die Gassen, um die Akrobatische Performance der spanischen Trail-Teams "Montys" und die Show auf dem Halfpipe nicht zu verpassen. Auch wenn die Lautsprecheranlage versagt, wird die Stimmung nicht schlechter.

Der letzte Run. Ich kämpfe mich durch die Menschenmassen, um zu einem dezenten Foto-Platz zu gelangen. Langsam kenne ich mich aus und nehme Abkürzungen durch noch engeren Gassen. Zwei erwachsene Menschen würden hier nicht mal aneinander vorbei laufen können. Die Leute reden mich auf portugiesisch an. Wenn ich auf englisch antworte fragen sie mich gleich für welches Magazin ich unterwegs bin und lassen mich zur besten Stelle, damit ich über ihr Rennen gut berichten kann. Manche Zuschauer sind auf Baugerüste geklettert, um den besten Blick zu haben. Wie bei einem Formel 1 Rennen.

Jose Sousa ist Dritter nach dem ersten Run. Ein unglaubliches Ergebnis, wenn man bedenkt, dass er die Nummer 184 der Weltrangliste ist. Die Zuschauer sind wirklich aus dem Häuschen, als Jose runterknallt. Er wird am Ende sechster. Der erste Platz ist Angelegenheit von Steve Peat aus Großbritannien und Cedric Gracia aus Frankreich. Dieser hat den Down Town in 99 schon gewonnen. Der Brite wird aber mit 1,2 Sekunden die Nase vorn haben und das Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro mit nach Hause nehmen. Claudio Caluori wird fünfter und Marielle Saner dritte. Beide sind glücklich mit ihrem Ergebnis. "So ein begeistertes Publikum verleiht dir Flügel!!!" sagt Marielle. Irgendwie habe ich den Eindruck, diesen Spruch schon gehört zu haben.

Ergebnisse Männer

Ergebnisse Frauen mehr Fotos HIER
1. Steve Peat GB -
2. Cedric Gracia F +1"206
3. Fabien Barel F +1"890
1. Sabrina Jonier F -
2. Fionn Griffiths GB +1"171
3. Marielle Saner SUI +4"358