| Sardinien - Cala Gonone |
Schluchten ("Codule") findet man in dem Supramonte in Hülle und Fülle. Sie werden erst im Frühling zugänglich, wenn die Bäche, die im Winter auf dem Talboden fließen, langsam verschwinden und Platz für die farbigen Oleandri Blumen lassen. Viele von diesen Schluchten führen direkt ans Meer, wie die Codula Sisine, der wir bis zum gleichgenannten Strand folgen. 15 Kilometer lang fahren wir, meistens bergab, auf einem holprigen Schotterweg.
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| Das ist übrigens auch eine Kletterwand... |
Die letzten zwei Km sind schwierig zu fahren, da der Weg im Winter vom Bach
zerstört worden ist. Der Canyon wird am Ende breiter und wir landen auf
Cala Sisine, einer traumhaften Badebucht. Wir können unseren Augen nicht
glauben, als wir hier ein Restaurant finden. Es liegt ca. 500 Meter entfernt
vom Meer und wird von eine "Cooperativa" (Gemeinschaft für
Arbeitslose) geführt. Viele Kunden haben sie sicherlich nicht, zu weit
von der Zivilisation liegt diese Ecke Paradies, um vom Tourismus wirklich
profitieren zu können. Nach einem erfrischenden Bad gehen wir dort essen
und werden mit einer unglaublichen Herzlichkeit in Empfang genommen. Fisch,
Cozze und Sardisches Brot (Pane Carrasau) werden uns serviert. Es gibt nur
eine kleine Gruppe von Trekkern im Restaurant, sonst sind wir hier alleine.
Auf dem Rückweg dämmert es schon, der Wald wird ruhig und der Mond
geht langsam auf. Die Schotterpiste schlängelt sich in die Schlucht,
quert mehrmals das ausgetrocknete Bachbett und verschwindet in der Dunkelheit
der Bäume.
Einatmen, ausatmen, treten, schwitzen. Es ist fast komplett dunkel, als wir
ein Licht tief im Wald sehen. Es ist ein Feuer. Schatten bewegen sich in seiner
Nähe. Das Herz klopft schneller. Vier Carbonai sitzen um einem Lagerfeuer
und gucken uns an....
Erschrocken wache ich auf in unseren Hotelzimmer in Cala Gonone. Ich gehe
auf den Balkon und sehe den Vollmond, der sich aufs Meer wiederspiegelt. Genau
so soll diese Ecke Sardiniens vor 150 Jahren ausgesehen haben.