| Auf Ötzi Spuren |
Von Karthaus nehmen wir die schmale Asphaltstrasse, die sich ins Pfossental reinschlängelt. Sie ist steil und das Tacho zeigt kompromisslose 20% Steigungen. Dieses Gebiet scheint von Gott vergessen zu sein. Einige uralte Almen sind die einzige Zeichen, dass hier außer Murmeltieren und Gämsen, auch Menschen leben. Eine davon ist die gemütliche Rableitalm (2010 m), wo wir unseren Riesenhunger stillen.
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| Die Stetiner Hütte |
Das Geräusch der Wasserfälle, die sich ins Tal stürzen, lädt zur frühzeitigen Siesta ein. Mit etwas Mühe zwingen wir uns zur Weiterfahrt. Der Weg wird holprig, er erkämpft sich mit schönen Serpentinen über die steilen Rücken der Berge. Fahrtechnisch wird der Pfad stets schwieriger. Die Höhe macht den Rest. Oft steigen wir ab und schieben, das kostet uns weniger Energie, als auf dem Bike weiter zu balancieren. Als wir auf Schneereste treffen, ist der Pass einen Steinwurf entfernt. Geschafft, aber glücklich blicken wir in Richtung Pfelderertal und sehen die gigantische Abfahrt, die vor uns steht. Der Stettinerhütte wird kaum Aufmerksamkeit geschenkt, wir tun den Sattel runter und stürzen uns in den oft geträumten Eisjöchl-Trail. Ich weiß nicht, wie viele Serpentinen wir gefahren sind. Es waren auf jeden Fall mehr, als man zählen kann. Eine besondere Herausforderung wird von den Wasserrinnen geliefert. Nur in Südtirol (z.B. bei den Drei Zinnen) findet man solch hohe Steinplatten quer zur Fahrrichtung hingestellt. Zum Glück sind sie nicht hoch genug, um das große Kettenblatt zu berühren. Ausgesetzte Passagen wechseln sich mit ausgewaschenen Stellen. Steile verblockte Pfadabschnitte erfordern volle Konzentration. Ein Pfad wie aus dem Bilderbuch. Man hat stets den restlichen Abschnitt, der noch gefahren werden muss, vor den Augen. Es ist wie, wenn man einen riesigen Teller Pommes auf dem Tisch hat. Der Teller wird nie leer und wir werden nie satt. Das ganze Trail - Repertoire wird innerhalb von über 1000 Höhenmeter völlig ausgeschöpft. Erst bei der Lazinseralm (1858m) endet der Pfad und wir rollen gemütlich auf einem Schotterweg in Richtung Pfelders (1622m), wo wir übernachten.
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| Der grandiose Eisjöchl-Weg |
Für alle, die es bis hier geschafft haben, kommt jetzt die größte
psychologische Herausforderung der Tour: die Auffahrt zum Timmelsjoch (2474m).
So. wie wir gestern die ganze Eisjöchl-Abfahrt sehen und uns darauf freuen
konnten, steht jetzt dieser Riesenberg vor uns und, viel schlimmer, erkennen
wir ganz deutlich mit wie viel Mühe sich die Strasse hinaufschlängelt.
Normalerweise bleibt dem Biker eine solche Aussicht erspart. Man weißt,
dass viele Höhenmeter zu fahren sind, man sieht sie aber nicht!
Von Moos in Passiertal (1007m) bis ca. 1800m folgen wir dem Schotterweg E5,
dann fahren wir auf der Fahrstrasse weiter. Das Verkehr hält sich in
Grenzen, die vergletscherte Berglandschaft versucht unseren Blick von den
bevorstehenden Kehren abzuhalten.
Oben an der Grenze zwischen Italien und Österreich fahren wir durch einen
langen dunklen Tunnel, bevor wir uns auf die letzen Abfahrt der Tour vorbereiten.
Die Fahrstrasse wäre natürlich viel zu langweilig nach den vielen
schönen Wegen der letzten zwei Tage. Wir experimentieren den Weg E5 in
Richtung Ötztal. Handtuchschmal führt er dem Timmelstal entlang
mit sanfter Neigung, bevor er sich nach Zwieselstein (1470m) im Sinkflug stürzt.
Fahren wird oft unmöglich, erst weiter unten wird nicht mehr geschoben.
Auf der linken Seite der Ötztaler Ache führt ein schöner Pfad
weiter talabwärts nach Sölden.
Der Kreis schließt sich. Unsere Reise auf den Spuren der Vergangenheit
ist beendet. Auch im 21. Jahrhundert kein Kinderspiel.