| Transalp für Freerider |
Unser erstes Tagesziel ist die Similaunhütte in 3017 m Höhe, zunächst
geht es gemütlich auf der Teerstraße bis nach Vent, nach kurzer
Zeit ziehen wir bereits die Regenhüllen über die Rucksäcke,
zum Glück nur ein kurzer Schauer. In Vent zweigen wir auf den Schotterweg
Richtung Martin-Busch-Hütte ab, wir sind in unserem Element, die ersten
steilen Kehren bringen wir zügig hinter uns und langsam tauchen in der
Ferne die ersten Gletscher auf.
Die Martin-Busch-Hütte thront auf 2500 m Höhe direkt oberhalb des
Marzellferners, nach kurzer Pause bei Tee und Apfelstrudel streben wir unserem
Tagesziel entgegen. Wir sind gespannt wielange wir auf dem Weg zur Similaunhütte
noch fahren können, zu sehen ist sie schon. Bereits nach 150 Hm ist Schluß,
das Gelände wird verblockt und immer steiler, bis wir in 2800 Metern
auf die ersten Schneefelder treffen. Wir sind am Fuß des Niederjochferners
und stapfen durch tiefen Firnschnee die letzen 200 Hm zur Hütte. Die
mit Steigeisen und Eispickeln bewaffneten Tourengeher staunen nicht schlecht
als wir mit unseren Bikes im Vorraum der Hütte auftauchen. Die Aussicht
können wir heute nicht mehr genießen, denn dichter kalter Nebel
zieht auf und wir sind froh in der gemütlichen warmen Hütte zu sitzen.
Der Ötzi den man ganz in der Nähe am Tisenjoch gefunden hat wäre
darüber bestimmt auch froh gewesen.
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| Gleich nach nach der Similaunhütte |
Am nächsten Morgen hat sich das Wetter total geändert, weiße
Schönwetterwolken schmücken die umliegenden Gipfel und wir genießen
die wärmende Sonne als wir die Hütte verlassen. Unglaublich wie
sich auch die Landschaft ändert, wir sind jetzt auf der Alpensüdseite,
die Vegetation reicht fast bis 2500 Meter hinauf, nördlich sind wir gestern
in dieser Höhe über Geröllfelder und Gletscher marschiert.
Mindestens 1000 Höhenmeter feinster Trail warten auf uns und tief unten
sehen wir schon den Stausee von Vernagt. Nach der Hütte müssen wir
noch kurz über steile Felsblöcke tragen, dann beginnt der Downhillrausch,
steile Felspassagen wechseln sich mit engen Schotterserpentinen ab, Adrenalin
im Blut, sich keinen Fahrfehler erlauben, ziemlich ausgesetzt hier, weiter
unten wirds flacher, mit Highspeed jagen wir das Tisental hinaus.
Wir erreichen Vernagt, ab hier beginnt der Anstieg zum Tascheljöchl,
im schlechtesten Fall müssen wir 1000 Hm hochtragen, das sagt die Karte.
Dabei wissen wir nicht ob uns das nicht auch auf der anderen Seite abwärts
blüt. Die Nachfrage bei Einheimischen bringt uns auch nicht recht weiter,
der Übergang scheint recht unbekannt zu sein.
Mit unbestimmtem Ausgang machen wir uns an den Anstieg, die ersten 300 Höhenmeter
bis in ein verträumtes Hochtal können wir noch fahren, die nächsten
2 Stunden werden wir die geschulterten Räder über steile Schotterreisen
und Felsblöcke tragen. Endlich sehen wir die abgebrannte Heilbronnner
Hütte am Tascheljöchl in 2772 m Höhe. Das Beste dabei, der
Weg hinunter nach Schlanders ist tatsächlich fahrbar, wir fühlen
uns großartig, nur wer sich die 700 Hm Tragen gibt, kommt in diesen
Genuß.
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| In Richtung Vernagt | Tascheljöchl |
Die Strapazen des Anstiegs sind sofort vergessen als wir den Trail an der Schwarzen Lacke vorbei unter die Stollen nehmen. Der winzige See sieht aus wie das schwarze Auge eines Ungeheuers. Plötzlich stehen wir am Beginn einer riesigen Schotterreise die unten am Kotscher See endet. In "Kranked IV" Manier surfen wir die steile Geröllhalde runter, für mich der absolute Kick, hochkonzentriert verschmelzen Fahrer und Bike zu einer Einheit, ein absolut geiles Gefühl. Der Rest des Trail bis zur Mitteralmhütte erfordert weiter höchstes Fahrkönnen, bis uns schließlich der Forstweg mit Highspeed hinunter nach Schlanders bringt. Wir haben über 2000 Höhenmeter Trail- und Downhillspaß hinter uns. Bei Pizza und Weißbier lassen wir den Tag revuepassieren und fallen danach erschöpft in die Betten.