Felsen, Schweiß und Biene Maja
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Was im Nachhinein betrachtet ganz klar ein Fehler war. Für die folgenden 20 Höhenmeter brauchen wir über eine Stunde. Das, was wir eigentlich als Trailabfahrt eingeplant hatten, entpuppt sich nun als ausgewachsener Klettersteig. Und der bedrohlich wirkende Nebel macht unsere gedrückte Stimmung auch nicht besser. Eine dreiviertel Stunde warten Bernhard und ich oberhalb des Steilstücks, bis die anderen drei die Situation in der Wand unter Kontrolle haben. Genügend Zeit, nachzudenken.

Schleppen ist angesagt: Tragepassage hinter Damüls Bernhard bei der Auffahrt durch's Rellstal

Bis jetzt ist alles gut gelaufen, die erste Tappe über den Stogger Sattel von Oberstdorf nach Damüls war eine echte Genießertour. Heiko frotzelte noch Routendesigner Günther an: "Was'n das für ne Biene-Maja-Route?". Am zweiten Tag hinter Damüls die erste Tragepassage und als Belohnung der landschaftlich hübsche Aufstieg ins Rellstal. Aber jetzt ... jetzt sitzen wir in dieser Scheiße fest. Merke: Der Berg ist niemals dein Freund! Oder wie Heiko es beim Anblick des Klettersteiges formulierte: "The end of Biene-Maja-Tours!"

In der Wand packen die drei das Spiralschloss aus dem Rucksack und sichern die Bikes damit am Drahtseil. Eine weise Entscheidung: Simone rutscht bald darauf das Oberrohr aus der Hand und schon rasselt ihr Fully über die Felsen hinab, bleibt nach einer Schrecksekunde aber baumelnd über dem Abgrund hängen.
Als ich schließlich an der Reihe bin, hilft mir wieder Günther mit dem Rad. Zum Glück - als ich mich vor Kälte zitternd auf den Weg nach unten mache, kann ich vor Angst nur stoßweise atmen. "Ein Fehltritt...." Ich kann mich von diesem Gedanken nicht befreien und bin gleichzeitig unfähig, ihn zu Ende zu denken.

Schweißgebadet stehen wir irgendwann trotzdem alle wohlauf am Ende der Felsstufe. Und erkennen beim Blick nach oben, dass die linke Variante des Wegs zwar länger gewesen wäre und noch mal ein Stück bergauf gegangen wäre, aber einen weiten Bogen um den gefährlichen Klettersteig gemacht hätte.
Tja, sei's drum, wir mussten uns eben entscheiden. Jetzt also weiterfahren? Denkste.... Erst durch ein weites Geröllfeld, dann über einen schlammigen Wanderpfad stiefeln wir weiter nach unten. Zu verblockt, zu alpin ist das Gelände. Ein paar Wanderer, die uns entgegenkommen, schütteln nur verständnislos den Kopf.

Mit stundenlanger Verspätung hocken wir erst am Nachmittag total geschafft auf dem warmen Dorfplatz (zum Glück ist das Wetter besser geworden) in Schiers. Für eine ordentliche Mittagspause bleibt uns nicht genug Zeit. Wir mampfen ein Sandwich aus dem Supermarkt in uns rein, dann geht es weiter Richtung Kunkelspass. Langsam am Ende unserer Kräfte angelangt kurbeln wir noch einmal 600 Höhenmeter auf Asphalt hinauf. Nicht nur physische, sondern auch psychische Schwerstarbeit: Wie weit wird sich der Anstieg noch ziehen? Ich feuere mich innerlich selbst an: "Hau jetzt rein, Junge! Weit kann das nicht mehr sein!"
Etliche Schweißtropfen später auf der Passhöhe (1375 m) tut mir jeder einzelne Knochen weh und ich muss erst mal gegen den Unterzucker kämpfen: Mars und Cola stehen auf dem Speiseplan, Powerbars habe ich heute schon genug verdrückt. Die Abfahrt dagegen entspannt ein wenig: Auf Schotter geht es Tremalzo-like durch Tunnels in Richtung Chur. Dort nehmen wir das erst-beste Hotel, das sich uns bietet und verbringen die Nacht so in einem versifften Schuppen im Rotlichtmilieu.

Schweizerische Trailidylle

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