Der Schlüssel zur Sicherheit in winterlichen Bergen liegt im Planen
und Vorbereiten. Die Statistik zeigt, dass 90% der Unfälle in den Bergen
aus einem einfachen "Rutscher" entstehen. Konzentrationsschwäche, Müdigkeit,
mangelnde Fitness oder fehlende Koordination sind oft die Ursachen. Faktoren,
die man durch eine entsprechende Vorbereitung weitgehend ausschalten kann.
Planen und Vorbereiten
Ermittle deine zu wählende Route, indem du Karten, Führer und
Informationsquellen am Ort anschaust. Hol vor der Bergtour eine detaillierte
Wetterprognose über eine Woche ein, um den Schneedeckenaufbau und die
Windrichtung nachzuvollziehen. Sprich mit Bergführern, Touristenbüros
und Lawinendiensten
.
Mach dich im orientieren fit: Zeitplan, Tempo, Gebrauch von Karte und Kompass.
Ein Höhenmesser kann sehr nützlich sein.
Bereite dich auf die Route vor: körperliche Fitness und gute Ausrüstung,
Kenntnis, wie man mit der Ausrüstung (Hartware und Kleidung) umgeht,
Verständnis des Lagensystems: zieh viele dünne Lagen an, um die
Ventilation zu optimieren, und pass deine Kleidung an die wechselnde Temperatur
an. Ein Anorak braucht unbedingt eine Kapuze - viel Wärme geht über
den Kopf verloren.
Dein Rucksack sollte eine Extra-Lage Kleidung enthalten, zusätzliche
Handschuhe, eine dünne zweite Mütze, eine Biwaksack für den
Notfall, ein kleines Erste-Hilfe-Set, Lampe, Wasser und Nährung, die
viel Kohlenhydrate enthält. Halte deine Traglast gering, denn wer zu
viel trägt, ermüdet schnell.
Es ist wichtig, objektive Gefahren wie Spalten, Seracs oder gefährliches
Gefälle erkennen zu können. Fehlt es an Sichtweite, dann geh erst
gar nicht los.
Siehe auch
Europäische
Gefahrenskala und
Hangneigung
bei dem
Lawinenwarndienst
Bayern
Lawinen
Es ist eine erschreckende Tatsache, dass über 30% der Lawinenopfer
durch den Schock sterben, im Schnee gefangen zu sein - sie sind bereits tot,
wenn die Lawine zum Stehen kommt. Oberstes Gebot ist daher, die Lawinengefahr
zu erkennen und diese Gebiete zu meiden.
Beobachte und fühle die veränderlichen Schneearten unter Füßen,
Skiern oder Board. Schau genau auf das Aussehen, Änderungen der Schneequalität
und Windrichtung. Land den Schnee an, bohr hinein, untersuche ihn, während
du darauf gehst. Wenn er dir nicht gefällt, grab ein Testloch für
das Schneeprofil. Bist du zufrieden mit dem Schnee, dann geh weiter.
Wenn du ein Testloch gräbst, such nach den Schichten im Schnee. Dabei
sind die Farbe des Schnees und die Kristallstruktur wichtig. Sondiere mit
den Fingern, einem Kompasseck oder mit der Skistockspitze.
Quere einen lawinengefährlichen Hang nur allein. Lass Stockschlaufen
los, öffne Sicherheitsriemen und Rucksackgurte. Stöcke könnten
dich nämlich in einem Schneerutsch aufspießen, das Gewicht des
Rucksacks könnte dich unter die Oberfläche ziehen.
In einer Lawine gefangen zu sein ist so, als ob man von einer Welle gepackt
wird. Versuche, durch Schwimmen mit Armen und Beinen an der Oberfläche
zu bleiben. Behalte die Übersicht: du wirst eher überleben, wenn
du mit den Füßen voran fällst.
Wenn es dir nicht gelingt, oben zu bleiben, hast du eine kurze Zeitspanne,
einen Hohlraum zum Atmen zu schaffen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Lawine
zum Stillstand kommt. Drück mit Händen und Füßen in den
Schnee. Vergeude keine Luft damit, nach Hilfe zu rufen: Schnee dämmt
Geräusche.
Auf demjenigen, der Augenzeuge einer Lawine wird, liegt die größte
Hoffnung des Lawinenopfers. Markiere den Punkt, wo du das Opfer zuletzt gesehen
hast, und ermittle mit Hilfe der Schwerkraft, wo es wahrscheinlich liegt.
Suche nach Anzeichen von Trümmern wie Kleidung oder Stöcke, die
aus dem Schnee ragen. Hast du ein Lawinensuchgerät, so starte eine Gittersuche.
Gletscherspalten
Ein Gletscher ist ein sich bewegender Fluss aus Eis. Einzelne Zonen bewegen
sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, und das verursacht Spalten. Überall
dort, wo es einen großen Höhenunterschied gibt, treten Spalten auf.
Bedeckte Gletscher, auf denen Schnee liegt und die Skifahrer wie Snowboarder
anlocken, bringen die meiste Gefahr, weil Schnee die Spalten zudeckt. Apere
Gletscher, also freiliegendes Eis, bergen weniger Risiko, denn dort sieht man
die Spalten.
Wer zu Fuß geht, muss sich auf einem bedeckten Gletscher immer anseilen.
Skier und Snowboards verteilen das Gewicht besser, so dass man weniger Gefahr
läuft, durch die Schneedecke zu brechen. In Zonen mit großer Spaltendichte
seilen sich auch Skitouristen an. Die meisten Spaltentoten waren nicht angeseilt.
Geh direkt in der Falllinie hinauf oder hinab, um Gletscherspalten im Winkel
von 90 Grad zu überqueren. Spalten verlaufen quer zu den Gletschern und
nicht in Fließrichtung.
Literatur
"Lawinengefahr", Michael Hoffmann, BLV Verlag. ISBN 3-405-15974-1
"Drei mal drei (3x3) Lawinen. Entscheiden in kritischen Situationen", Werner
Munter, Bergverlag Rother. ISBN 3763320601
"Free Riding in Avalanche Terrain, a Snowboarder´s Handbook", Bruce Jamieson
and Jennie McDonald, Canadian Avalanche Association. ISBN 0-9685856-0-4
Danke an Paul Moores und an Helly
Hansen für die Lawinentipps