| Emilio Previtali und FREE.rider |
ALSO HANDELT ES SICH AUCH UM EINE EVOLUTION IM ALPINEN BEREICH: DER GIPFEL
ALS START, DIE VERRINGERUNG DER ABSTIEGSZEITEN, DIE SUCHE NACH NEUEN ROUTEN,
NICHT NUR FÜR DEN AUFSTIEG SONDERN VOR ALLEM FÜR DIE ABFAHRT
Ja und vor allem das Snowboard, mehr als die Ski, kann neue Horizonte öffnen,
die für einem traditionellen Alpinisten nicht vorstellbar wären,
sei es in der Zeitspanne als auch im befahren von neuen Strecken. Man muss
aber klarstellen ob einer mehr in der Suche nach einer neuen Linie für
den Aufstieg oder für die Abfahrt interessiert ist. Deutlicher ausgedrückt,
wir sprechen nicht von jenen, die auf den normalen Routen zum Gipfel auf-
und absteigen. Der Traum für jeden Alpinisten ist seine eigene Linie
für den Aufstieg zu finden und dann auf der Normal-Route abzusteigen,
für einige von denen auch eine anspruchsvolle Route für den Abstieg
zu suchen, also eine Überquerung. Für einen Rider ist der Traum
den Gipfel ausschließlich mit den eigenen Kräften zu erreichen
und dann eine eigene Route für die Abfahrt zu finden, am besten eine
neue die nicht einmal für einen Aufstieg benutzt wurde. Die Vorstellung
einer Überquerung stützt daher jedes Projekt.

Pik Lenin - Ombre (Foto Luca dalla Palma)
WIE MARCO SIFFREDI AM EVEREST?
Marco Siffredi hat eine gewaltige Sache gemacht. Er hat gezeigt, dass ein
Traum, von dem ich zuerst sprach, auch Realität werden kann, in weit
er auch der erste war, der diesen Weg eingeschlagen hat, auch wenn er mit
Sauerstoff und mit Hilfe eines Sherpas der Gipfel erreicht hat, (letztes Jahr
waren 120 Leute auf dem Everest, von denen nur ein zehntel es ohne zusätzlichen
Sauerstoff geschafft. hat).
Einmal auf dem Gipfel ist er alleine abgefahren, ohne Sauerstoff, auf einer
anderen Route als dem Aufstieg, dem Great Couloir oder Couloir Norton. Sicherlich
keine neue Route aber bestimmt eine der angestrebtesten und am wenigsten begangenen
Routen auf der tibetanischen Seite und immerhin auf dem höchsten Berg der
Welt. Für uns Rider ist das eine Leistung von einer anderen Welt, und den
Leuten, die ihn vom Gipfel mit dem Snowboard haben starten sehen, muss das
wie eine Halluzination vorgekommen sein, ein Alptraum oder jedenfalls etwas
irreales, so wie für jemanden der diese Nachricht gedruckt oder im Internet
liest.
Dies war möglich weil er die Abfahrt als Rider im Angriff genommen hat und
nicht als Alpinist, in fern, um wieder auf unserer Vorstellung zurückzukommen
mit dem Gipfel als Ziel und Start, nimmt man die Dinge anders wahr. Er selber,
als ich ein Interview mit ihm führte, erwähnte er den Aufstieg nur mit ein
paar Worten und hält die Abfahrt nicht zu den technisch schwierigsten, die
er je gefahren ist. Dies sagt schon viel aus, über den noch möglichen Spielraum
der Verbesserungen auf den größten Bergen.
Marco hat einen Sprung nach vorne gemacht, wie viele der wenigen Skifahrer
die sich mit einem Achtausender gemessen haben, seine ist eine große Projektion
in die Zukunft, er hat uns den Weg gezeigt, wie es Jean-Marc Boivin vor 10/15
Jahren gemacht hat, mit Abfahrten, die noch immer aktuell sind.
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| Zum Camp 3 - Foto Luca dalla Palma |
WELCHE WIRD DIE NÄCHSTE ETAPPE DIESER ENTWICKLUNG...(Emilios Augen glänzen)
An die Aktionen von Siffredi und Karnicar anknüpfen, aber allein mit
dem Board oder den Skiern auf der Schulter, ohne Hilfen und ohne Sauerstoff,
von einem Basis Camp zum nächsten, und vollständig mit den Skiern
oder dem Snowboard abfahren auf einer anderen Strecke als dem Aufstieg, besser,
wenn die Route noch von niemanden begangen wurde, nicht einmal für den
Aufstieg, und ich betone ausschließlich mit den eigenen Kräften,
dies wurde noch nicht gemacht und muß gemacht werden.
IST DIES EINER DEINER PLÄNE? (und die Augen Emilios glänzen
weiterhin)
Aber wer kann das schon sagen, der Everest in diesem Stil ist zur Zeit ein
geparktes Projekt, in den nächsten Zwei oder drei Jahren, wird es sich
zeigen. Du weißt, es kostet Geld um das zu verwirklichen, viel Geld,
daher benötigt es Glaubwürdigkeit, weil die Firmen auf dich investieren
indem man ihnen zu verstehen gibt, daß man gut arbeiten kann und daß
man dorthin fährt weil man es will und nicht weil es einen Vertrag gibt.
Wie mir Marco sagte, erreichte er den Gipfel, ohne genau zu wissen auf welche
Seite er abfahren würde, im Plan war der Norton, aber es konnte auch
der Hornbein oder der Weg vom Aufstieg sein. Er machte dann dort die Wahl
und es war die richtige. Man muß immer die Freiheit haben, wählen
zu können.
Ich arbeite in diese Richtung, der Pik Lenin war meine erste Station, die
weiteren Expeditionen richten nach diesem Ziel und es ist dies, was ich erreichen
will.
Die wirkliche Zukunft, wie ich schon sagte, ist es einen Berg hinaufzusteigen
und eine absolut neue Linie abzufahren, das heißt eine Route im Abstieg
öffnen.
AM PIK LENIN SCHEINST DU AUF EINER
TEILWEISE NEUEN ROUTE ABGEFAHREN ZU SEIN...
Selbst wenn die Proportionen bezüglich jener vom Siffredi verschieden
sind, versuchte ich diesen Weg zu folgen, die ersten dreihundert Meter, mit
der direktem Start vom Gipfel, war noch niemand aufgestiegen, und dann folgte
ich der Linie die zentral auf der Nordwand hochführt. Das war keine Angewohnheit,
sondern es war die logischste Strecke. Es ist ein Problem der Perspektiven,
für den, der nördlich die Route für den Aufstieg öffnete,
war offensichtlich, links abzubiegen und auf den Ost Kamm herauszukommen,
für mich, der vom Gipfel abfuhr, war es offensichtlich direkt hinunterzufahren,
das war die schönste Linie zu fahren.
WAS SAGTS DU IN BEZUG ZUM PIK LENIN "ES IST EINE GROSSES UND SELTENES
PRIVILEG, DER BERG LIESS MICH VORÜBERGEHEN UND ICH GLITT ÜBER SEINEN
HÄNGEN, SEINEN KALTEN ATEM HÖREND. ICH BIN SICHER, DAß ER
AUF MICH AUFMERKSAM WURDE, ABER ER LIEß MICH MACHEN. WIE EIN ELEFANT
MIT EINER AMEISE" GILT DIES FÜR ALLE BERGE, AUCH FÜR JENE HINTER
DER HAUSTÜR?
Dies gilt für jedes Gebirge, für jedes Abenteuer und es ist nicht
eng am Alpinismus, dem Ski oder dem Snowboard gebunden, aber allem jenem,
das wir im Leben machen. Priviligiert ist derjenige, der es hört in allem
was macht, die eigene Fähigkeit sich über seine Grenze zu wagen
und die Tatsache zu schätzen etwas mehr zu machen, also die Angst und
die Schwierigkeit anzunehmen sich auf unbekannten Terrain zu bewegen. Ich
wiederhole, das gilt für alle Tätigkeiten und wenn wir uns das bewust
machen und dann nehmen das Privileg wahr, uns als glückliche Menschen
zu fühlen, um die Möglichkeit zu haben sich mit den eigenen Grenzen
gegenüberzustellen. Wir können begreifen, daß man sich immer
etwas weiterentwickeln kann und somit gibt es immer viel zu tun, sowohl im
normalen Leben als auch in den Bergen, von den großen Bergen des Himalayas
bis zu den unbekannten Gipfeln hinterm Haus.