Das Wetter ist schön aber ein bisschen zu warm für Anfang März
(2000). Der Schnee taut tagsüber und friert wieder fest in den Nachtstunden.
Dies sind die ideale Verhältnisse, um einen steilen Nordhang zu fahren,
denke ich (Marco) auf der Fahrt von München nach Hinterriß, im Karwendelgebiet.
Es ist 8 Uhr als ich das Auto kurz nach Hinterriß parke und micht auf
die Tour vorbereite. Viele Tourenfahrer sind heute unterwegs, insbesondere auf
dem benachbarten Schafreuter.
Ich bin heute alleine und suche gleich am Parkplatz jemanden, der die Tour mitfährt.
Zwei Skifahrer starten kurz vor mir i.R. Torscharte und sind bereit, eine Auge
auf mich zu werfen. Die Tour kann nur am steilen Hang zur Torscharte lawinengefährdet
sein. Der restliche Teil verläuft im Wald, auf einem (für mich) am
Anfang bekannten Weg. Hier fährt man mit dem Mountainbike bei der Karwendelrunde
vorbei.
Der Anstieg bis zum Rohntalboden ist nicht steil und ich komme mit den Schneeschuhen
gut voran. Der Weg ist schon von Skifahrern verspurt, was für mich heißt,
ihn breiter machen zu müssen, da meine Schneeschuhen nicht in die Skispuren
reinpassen. Der Rohntalboden im Winter könnte eine Kulisse für ein
Märchen sein. Von dort kann man entweder auf die Torscharte oder auf den
Hochalplkopf laufen.
Ich entscheide mich für die Torscharte: der Schnee sieht viel besser aus,
er bleibt länger pulvrig als auf dem gegenüber liegenden Hang zum
Hochalplkopf. Der Weg ist auch hier von Skifahrern schon verspurt worden und
für mich beginnt die Qual: der Hang ist bis zu fast 40° steil, meine Schneeschuhen
versinken in den Schnee, da die Skispuren eben nicht breit genug sind. Der Weg
geht mit zig-zag Kurven steil hoch, ich schwitze und verflüche die Schneeschuhen.
Es gibt noch jemanden, der meine Schneeschuhen verflücht, und zwar zwei
Skifahrer, die, nicht zu weit unter mir, auch zur Torscharte laufen. Sie sind
nicht die zwei, die ich am Parkplatz getroffen hatte (die sind inzwischen fast
oben), sondern zwei ältere Herren, die noch nie einen Snowboarder auf ihren
Touren gesehen haben. Später meinten sie, ich hätte meine eigene Spur
machen sollen, weg von der bereit liegenden Skispur. Alles in einem ünnotig
bösen Ton gesagt. Na ja, was wäre es gewesen, wenn überhaupt
keine Spur vorhanden wäre? Sie wären wahrscheinlich nie hochgekommen.....
Ich lasse mich nicht ärgern und komme ans Ziel: lasse meine Ausrüstung
an der Scharte und laufe zu Fuß auf den Torkopf. Tolles Panorama, mitten
in Karwendel und Rofangebirge.
Nach kurzer Rast bereite ich mich auf die Abfahrt vor. Nicht i.R. Tortals, wie
manche empfehlen (das Tortal ist zu flach), sondern zurück i.R. Rohntalboden.
Der Schnee ist genial, es macht richtig Spaß hier abzufahren. Mehrere
Skifahrer kommen mir entgegen und schauen unglaubwürdig meine Schwünge.
Die denken wahrscheinlich, ich bin mit dem Hubschrauber auf die Torscharte transportiert
worden.
Ich habe mein Board vor dieser Tour gut gewachst, desshalb muß ich bei
dem Rohntalboden gar nicht schieben und komme kurz vor 13 Uhr ans Auto.
Eins ist sicher: bei solchen Steilhänge nie wieder Schneeschuhe!
Literatur
- "Rother Skiführer, Bayerische Alpen", Robert Demmel, Norbert Schneider.
Bergverlag Rother. ISBN 3-7633-5900-1
- Karte: Kompass Nr. 26, Karwendelgebirge
Bitte vorher über die Lawinensituation informieren. Sicherheitsausrüstung
mitnehmen. Bike & Board übernimmt keine Verantwortung bei Unfällen.